Lutheriden-Vereinigung e.V.

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Apocaluther auf dem Kirchentag

von Christian Priesmeier

Wie kann Gott all das Leid zulassen?
Eine alte Frage und Erklärungsversuche in einem interessanten Theaterstück.

 

Auszug von der Homepage "Apocaluther" zu dem Stück von Ulrike Streck-Plath:

 

Zu diesem Stück

 

Als Luther seine 95 Thesen anschlug, hatte er erkannt, was „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ bedeutet: Bedingungslos lieben. Denn das ist göttliche Liebe. Gott liebt die Menschen bedingungslos, sie müssen nichts dafür tun, dass es so ist. Irgendwann beschloss der Mensch, es ohne die Verbindung mit Gott zu versuchen. Seither fühlt er sich von Gott getrennt und ungeliebt. Weil er jedoch ohne Liebe nicht leben kann, handelt er sie zwischen sich und anderen aus. So sind Bedingungen und Machtgefüge entstanden, in denen wir Menschen leben und die wir von Generation zu Generation weitergeben. Das tägliche Drama dreht sich darum zu beweisen, dass man „richtig“ ist. Daraus entsteht der Druck, unter dem Menschen stehen und der nur ein Ventil kennt: Angst.

 

Weltweit sieht es darum heutzutage nicht besser aus als zu Luthers Zeiten, die Menschen fürchten sich vor allen möglichen Dingen, kurz – vor apocalyptischen Zuständen. Darum kommt Luther, der mit der Apocalypse nicht viel anfangen konnte, zurück auf die Erde. Denn bedingungslos lieben kann man (wieder) lernen. Zusammen mit Kindern verbreitet Luther neue Thesen dazu in der Welt, was ihn erneut in Konflikt mit den Herrschenden bringt. Denn ein heiler Mensch stört das System: Wer zurückfindet in die bedingungslose Liebe Gottes, heilt von innen heraus. Sehnsucht und Bedürftigkeit nach Zuwendung und Bestätigung sind gestillt. So ein Mensch hat keine Angst, Liebe zu verlieren oder fremde Menschen im Land zu haben, er wird unabhängig von menschlicher Macht, bleibt bei sich seelisch stabil in Balance, kann auf Herz und Kopf gleichermaßen hören, danach handeln und darum seinen Nächsten lieben wie sich selbst. So kommt Frieden in die Welt.

 

 

Luthers neue Thesen entsprechen der lutherischen Lehre. Die Aussagen basieren auch auf dem Buch „Martin Luther – Lehrer der christlichen Religion“ von Reinhard Schwarz. Die Erkenntnis, dass die Apocalypse bereits gewesen ist und wir Menschen jeden Tag mit allem, was wir tun, darüber entscheiden, wie es auf der Welt aussieht, verdanke ich unter anderem einer Osternacht in der Münchner Frauenkirche. Diese Erkenntnis dem durchs Fenster in unsere Zeit steigenden Luther in den Mund zu legen wurde möglich, als ich herausfand, dass Luther zu Lebzeiten mit der Apocalypse tatsächlich nicht viel anfangen konnte.

 

Ist das alles ein Stoff für Kinderchor? Ja, denn Luther hatte auch erkannt, dass jeder Mensch mit dem Wissen über das bedingungslose Geliebtsein in die Welt kommt, nämlich einem angeborenen Gewissen. Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt, nannte er das. „Sieh die Kinder an. Sie kommen mit offenen Armen voll bedingungsloser Liebe auf die Welt. Wie wird aus so einem Kind ein Mensch, der andere Menschen tötet?“, fragt Luther im Gespräch mit Theodizee, Theodor und ihren Freunden. Diese Frage beschäftigt mich, seit ich als kleines Kind in einem Buch Bilder aus der Zeit der vergangenen Weltkriege sah. Heute bin ich Mutter von fünf Kindern, die doch eben erst klein waren und bald schon groß sind. APOCALUTHER entstand aus dem, was diese Kinder mir bislang ins Leben gebracht haben. Ich danke Euch dafür.

 

Mein Dank geht außerdem an alle Kinder, die bei diesen ersten Aufführungen mitgemacht haben machen. Den Eltern danke ich für ihr Vertrauen. Darüber hinaus bedanke ich mich bei allen Freunden, Bekannten, Weggefährten und Fachleuten, vor allem Herrn Prof. Dr. Reinhard Schwarz. Und ich bedanke ich mich bei allen Förderern.

 

Ulrike Streck-Plath

 

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